Spieletest: Rise of Kingdoms – Teil 2

Einen Monat spiele ich nun Rise of Kingdom in die erste Erkenntnis war genau so erwartbar wie vorhersehbar: Wenn man in ein Mobile Game geht, das maßgeblich durch den Einsatz von Geld beeinflusst werden kann (aka “Pay to win” aka P2W) drehen Leute völlig durch.

Bedeutet: Natürlich kann man nicht einsehen, wie viel Spieler in einem Spiel ausgeben, allerdings gibt es Indikatoren, an denen man das Ganze recht gut absehen kann:

  • Punktzahl: In RoK, wie auch in vielen anderen (P2W)Spielen, bekommt man Punkte für Aufgaben, das besiegen von Gegnern oder (im Sinne von RoK) das Aufbauen einer militärisch starken Stadt. Diese Punkte sind öffentlich einsehbar und laden somit natürlich zum Vergleichen ein. Wenn ich nun also mit meinem Minimalinvest von aktuell 30€ bei ca. 800.000 Punkten stehe ist es ziemlich sehr sehr wahrscheinlich, dass der Typ mit 14 Mio Punkten den Geld-Fastpath gewählt hat. Klar kann man sich fragen, ob ich nicht vielleicht einfach sehr schlecht in dem Spiel bin, allerdings würde selbst das einen so immensen Punkteabstand nicht rechtfertigen.
Die Rankings der Spieler im eigenen Kingdom sind frei einsehbar. Die obersten Plätze sind aber ohne hohen finanziellen Invest meines Erachtens vollkommen unrealistisch zu erlangen.
  • Dekoratives: Wie ebenfalls in diversen Spielen üblich, bei denen man Ingame Geld ausgeben kann, kann man das natürlich auch bei RoK optisch hervorheben – es sollen ja auch alle wissen, was man da in dieses Hobby reingesteckt hat. Im Sinne von Rise of Kingdoms geht es zB um Gebäude, die teilweise tatsächlich nur zahlenden Spielern zur Verfügung stehen, oder die zumindest extrem schwer für nicht-zahlende Spieler zu erreichen sind.
Die eigene Stadt kann auf der Karte von Rise of Kingdoms sehr unterschiedlich und sehr spektakulär aussehen. Geld spielt dabei eine potenziell sehr wichtige Rolle.
  • Partizipationen: Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, den ich so noch nicht in Spielen gesehen habe und den ich recht clever finde: Jedes mal, wenn jemand in meiner Allianz (=Gruppe von Spielern) Echtgeld für Items ausgegeben hat, profitieren alle anderen Spieler der Allianz ebenfalls davon. Das läuft bei RoK über ein Truhensystem: Wenn jemand in meiner Allianz etwas kauft, kriege unter anderem ich eine Truhe mit Items für umme. Die Größe der Truhe und der “Wert” des Items in der Truhe skalieren dabei mit dem ausgegebenen Echtgeld, das der Spieler investiert hat. Und durch die Art der Truhen, die ich in den letzten Wochen bekommen habe kann ich mit Sicherheit sagen, dass es vollkommen gängig ist, dass Spieler höhe dreistellige Beträge im Monat in Rise of Kingdoms hauen, um sich einen Vorteil zu verschaffen.
Jede Truhe steht für einen getätigten Kauf gegen Echtgeld eines Allianzmitgliedes. Die „Wooden Chest“ ist dabei die minderwertigste und steht für einen Kaufbetrag von bis zu 5 € des Spielers.

Aber jut, das ganze war mir ja klar – nichtsdestrotz hat mich die Budgethöhe an sich schon etwas erstaunt, um nicht zu sagen schockiert. Denn sind wir mal ehrlich: Wer fühlt sich denn von einem P2W-Mobilegame, das auch noch eine ganze Menge an Zeit fressen kann tatsächlich angezogen? Wahrscheinlich weniger der gut verdienende und gesund lebende Wirtschaftsboss, für den die 1000 € im Monat für ein Mobile Game (!!!!!!) nur Peanuts sind. Für sehr viel wahrscheinlicher (Disclaimer: reine Vermutung und 0% empirisch belegt) halte ich es, dass jede 100€, die da in diesem Spiel gesteckt werden sehr viel besser an anderen und langfristig sinnvolleren Stellen aufgehoben wären (okay, das ist natürlich immer der Fall) und dass dieser Fehlinvest für die entsprechenden Spieler auch wirklich schmerzhaft sein kann.

Nach meiner jetzt noch sehr jungen Spielzeit kann ich schon sagen: Das ganze fühlt sich sehr komisch an. Auch, wenn Rise of Kingdoms von seiner spielerischen Tiefe und mit Sicherheit auch hinsichtlich des Entwicklungs- und Pflegeaufwands weit über reinen Glückspiel-Apps liegt (hier nochmal zum Coin Master Verris von Böhmermann, falls ihr es nicht kennt), ist Rise of Kingdoms ja immer noch ein Spiel. Und egal ob Glücksspiel oder Spiel: Letztlich hat ja beides das Ziel Glückshormone zu triggern, Belohnungssysteme zu stimulieren und all den Kram mit unsere Biochemie zu veranstalten, die uns halt am Spielen hält (und von der jede engagierte Bio-Leistungskursler mit Sicherheit mehr versteht als ich). Entsprechend finde ich es echt bedenkenswert, dass Echtgeld nicht nur zum Erwerb von Erweiterungen, wie zum Beispiel DLCs, wie wir sie schon seit Jahren kennen, genutzt werden kann, sondern in beliebig hohen Maße, um in einem Spiel besser zu sein. Und natürlich sind die Spieleentwickler sehr daran interessiert, dieses Verhalten zu fördern.

Nochmal ganz konkret, falls ihr noch nie mit solchen Spielen zu tun hattet: Es ist in Rise of Kingdoms (wie auch diversen anderen spielen) möglich, sofort beliebig viel Geld auszugeben, um beliebig “gut” zu werden. Und ja, das machen meiner Beobachtung Leute und zwar auch nicht nur, wie weiter oben schon als “gängig” beschrieben mit mehreren hundert Euro im Monat, sondern auch hier und da mal mit mehreren tausend. Und wie gesagt: Das fühlt sich sehr komisch an.

Aber zurück zu meinem Test: Wie gesagt werde ich mich als so genannter “Low spender” positionieren und liege jetzt aktuell, wenn ich mir die Punktzahlen der Spieler in meinem “Kingdom” angucke, mit meiner Punktzahl und Punktentwicklung im oberen Drittel. Dabei muss man allerdings sagen, dass Durchschnitt und Median der Punkteverteilung der Spieler extrem auseinanderdriften: Es ist irgendwie wie im echten Leben. Die Top 10% der Spieler vereinen 2/3 der Punktzahl des gesamten “Kingdoms” und werden damit “Wale” genannt. Wo diese Namensgebung herkommt, weiß ich noch nicht – das reiche ich wohl in einem der kommenden Artikeln nach ;).

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