Christoph Straßer – Semesterferien [Buchrezension]

Klappentext

Zugegeben: Studieren ist anstrengend und gar nicht sexy. Wie gut, dass es Semesterferien und den Sommer gibt! Denn dann ist die Zeit, Referate, Seminare und langweilige Hausarbeiten zu vergessen und sich den wirklich wichtigen Dingen im Leben zu widmen. Auch die Freunde Platon und Jim stürzen sich kopfüber in die vorlesungsfreie Zeit und genießen in vollen Zügen, was diese ihnen zu bieten hat: Einen besten Freund, der Selbstmordgedanken hegt, einen Nebenjob, der einen die Würde kostet und natürlich das quälende Gefühl, wirklich alles im Leben falsch gemacht zu haben. Aber dafür sind Ferien schließlich gemacht, oder?

 

 

 

Ich muss gestehen, dass ich zunächst etwas skeptisch war, als ich mir bei Blog dein Buch „Semesterferien“ zum Lesen und Rezensieren bestellte. Ich dachte an eine Art Jugendbuch im Stil des deutschen Filmklassiker „Schule“ und damit an oberflächliche Charaktere, deren größte Leistung es im Läufe der Handlung ist, die Liebe ihres Lebens mit einem dramatischen Monolog wiederzugewinnen. Nach den ersten Seiten merkte ich allerdings, dass Christoph Straßer sich bei seinem neuesten Buch etwas anderes gedacht hatte.

Semesterferien handelt von den Studenten Jim, Platon und dem Studienabbrecher Lakai. Zu Beginn des Buches stehen die Charakteristiken der Protagonisten im Vordergrund. Jim, als lustiger Draufgänger mit Hang zu Alkohol, Frauen, zwielichtigen Geschäftsmodellen und The Doors (seiner Aussage nach wurde er nach Herrn Morrisson benannt). Platon ist durchgehend pleite, dichtet und sammelt Personalausweise von Nazis, die er auf Demonstrationen verprügelt. Lakai brach sein Studium aus Geldnot ab und arbeitet seitdem in einem Kaffee als fest angestellter Kellner. Im Gegensatz zu seinen beiden Freunden geht Lakai missmutig einem geregelten Berufsalltag nach. Statt sich aber über seine finanzielle Situation zu freuen, plagen ihn ständige Selbstzweifel, welche sich im Laufe der Handlung zu einer handfesten Depression auswachsen.

Das Buch handelt von den alltäglichen Problemen aber auch Freuden der Studenten. Geldnot, Zukunftsangst, Selbstzweifel und Zeitnot stehen gemeinsamen Besäufnissen, Feiern und Freiheiten gegenüber. Dabei lassen sich die drei von ihren Problemen nicht den Spaß an abendlichen Trinkgelagen und sonstigem Blödsinn verderben.

Leseprobe

In einer Seitenstraße wankte Jim auf eine Türe zu, die in eine Kneipe führte, und rüttelte an dem Holzgriff. Die Türe blieb verschlossen. „Hatzudiescheißehier“, lallte er. […] 

„Glaubchmusskotzen“, sagte er dann. „Alte Sau“, rief Jim Platon zu, der mit heruntergelassener Hose auf der glücklicherweise gerade nicht befahrenden Straße stand und in hohem Bogen vor die Tür eines geparkten Smart pinkelte.

„Den spül ich weg. Echt. Das geht. Die Karren wiegen nix.“

 Meine Meinung:

Semesterferien wird wohl niemals in die Riege von hochwertigen Literaturklassikern aufsteigen, doch ist das neueste Werk von Christoph Straßer ein schnell zu lesendes Lesevergnügen, was sich mit seiner recht rigorosen Schriftsprache Werken von Bukovski annähert. Die Charaktere sind sympathisch, auch wenn man durch die speziellen Eigenarten der Protagonisten Schwierigkeiten hat, sich mit einem von ihnen zu identifizieren. Leider sind die Tendenzen der Charakterentwicklungen schon früh und deutlich erkennbar, weswegen vermeintlich „plötzliche“ Ausbrüche zu vorhersehbar sind. Statt eine Kritik oder Analyse des studentischen Lebens sollte man eine leichte und definitiv sehr lustige Unterhaltungslektüre erwarten. Und wenn man so etwas sucht und nichts gegen einen etwas derben Humor hat, ist mit Semesterferien an der richtigen Adresse! 3 / 5 Sterne!

In diesem Sinne …

.. just my 2 cents ..

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