Ich war mal wieder Blutplasma spenden …

Ich bin einfach nicht geschaffen für den Scheiß! Ich bin kein Nadel affiner Typ, hab ’nen bemitleidenswerten Kreislauf und mein Blut ist ziemlich Eisenhaltig. Das Eisen bewirkt, dass das Blut dickflüssiger wird und daher für die Spende eine größere Nadel genommen werden muss, was uns wieder zu meinem ersten Problem bringt. Die ganze Sache hat also schon in der Theorie ihre Fehler. Trotzdem locken im Schnitt 19€ (!!!) pro Sitzung seinen Körper, bzw. sein Blut zu prostituieren. Als armer Student ist man halt doch nur Sklave des Geldes.

Nach gut 5 Monaten ruhigen Umherzirkulierens sollte mein Blutplasma nun endlich mal weder das Licht der Sonne erblicken. Also hin zur örtlichen Blutplasma Zentrale. Von vorigen Sitzungen weiß ich natürlich, dass man im Vorhinein gut gegessen und 2 Liter Wasser getrunken haben soll. Aber das sind ja alles auch nur so Faustregeln und ich hatte keine Lust mir schon um 11:00 morgens 2 Flaschen Wasser hinter die Binde zu kippen! Ich belasse es also bei einem Toast, einem Kaffee und einem Glas Cola (das hat immerhin noch Zucker, mein Gewissen war also beruhigt).

Nach den üblichen Eignungstests Tests mit Frau Dr. Kalaschnikow (kein Witz!) und der wohltuenden Erkenntnis, dass ich es ohne Sport oder bewusste Ernährung, allerdings mit häufigem Alkoholgenuss und Fastfood geschafft hatte 3 Kilo abzunehmen (guter Stoffwechsel winwinwin!) werde ich dann in den Spenderaum geführt. Der Raum ist in diesem Fall allerdings eher eine kleine Halle und die Spendeprozedur ähnelt eher Fließbandarbeit als einem medizinischen Vorgang. Ca. 30 Behandlungsplätze werden von 4 Menschen betreut die (hoffentlich) irgendeine Art medizinischer Ausbildung genossen haben oder zumindest einfach ziemlich gut Nadeln im Arme stecken können. Wird ein Platz frei, steht auch schon einer neuer Proband zur Extraktion bereit und so geht es von morgens 9:00 bis abends 20:00 immer weiter …

Ich werde von einer recht hübschen, ich nenne sie jetzt einfach mal „Krankenschwester“, übernommen und auf den Stuhl geschnallt. Sie versucht, vermutlich eher aus professionellen Anti-Aufregungs Gründen als aus sozialem Interesse, oberflächliche Konversation zu führen, ich bin allerdings in Anbetracht der 20 Nadeln, die sie in mein Sichtfeld hält, zu nervös um darauf einzugehen.

„Wenn ich das richtig im Blick habe, waren Sie jetzt schon länger nicht mehr bei uns oder?“

Ich kann mich kurz vom Anblick der Nadeln abwenden. „j .. ja!“ kriege ich gerade so heraus, zu langsam um irgendeine smarte Reaktion zeigen zu können. „Jaja, man merkt sich seine Pappenheimer!“. Ich weiß nicht wie ich diese Antwort auffassen soll und bleibe daher etwas überfordert schweigsam in meinem Stuhl sitzen. Diese Sekunde nutzt sie um mir mit einer schnellen Bewegung die Nadel in die Ader zu rammen! Hinterlistige Schlange! „Melden Sie sich, wenn Sie ein Problem haben!“. Das hättest sie wohl gern …

Die Minuten verstreichen. Der Nachteil einer Plasmaspende gegenüber eine Blutspende ist, dass sie ca. 1 Std. dauert und man permanent dem Anblick von Nadeln und Litern blutroter (im wahrsten Sinne des Wortes) Substanz ausgesetzt ist, die in milchig-weißen Plastikbehältern geschickt so im Raum verteilt wurde, dass man garantiert mindestens 3 Stück in seiner peripheren Sicht wahrnimmt. Einem schwachen Geist kann da schon einmal der Kreislauf flöten gehen!

Und wäre die Schmach mit dem „Pappenheimer“ nicht schon genug gewesen, merkte ich langsam wie sich kalter Schweiß auf meiner Stirn ausbreitete und mein Kreislauf zu sinken begann. In seltenen Fällen fängt er sich nach einiger Zeit wieder aber ich merkte, dass diese Hoffnung wohl sinnlos ist. Natürlich sind 3 der 4 Krankenschwestern mit irgendwelchen anderen Patienten beschäftigt und die einzige Person die mich vor dem drohenden Zusammenbruch retten kann ist die liebreizende neunmalkluge Sadistin. Na toll. Also entweder die Hand heben, um Hilfe bitten und das restliche Leben in endloser Pein verbringen oder friedlich in einer Klinik sterben. Ich wäge eine Zeit lang beide Optionen ab und entscheide mich letztlich für die Pein. Das ist der Augenblick in dem sie zu ihrem letzten vernichtenden Schlag ausholt. In dem Moment als ich mit letzter Kraft die Hand hebe, dreht sie sich weg. Einfach so. Vermutlich lacht sie sich gerade in ihre gemeines Fäustchen, wissend, dass sie gerade wieder jemanden aufs übelste in die Pfanne gehauen hat! Meine letzten Sekunden bei Bewusstsein verbringe ich damit ihr fassungslos auf den Hinterkopf zu starren. Während mir langsam schwarz vor Augen wurde singt mir Maynard Keenan noch mit ironischen Unterton irgendwas von giving blood, keepin faith ins Ohr und ich realisiere die letzte Lehre die mir das Leben vorenthalten hatte: Lass dich nicht von einer Krankenschwester verarschen!

In diesem Sinne …

.. just my 2 cents ..

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