Freier Journalismus für die Massen – Warum man Krautreporter unterstützen sollte

krautreporterMedien manipulieren! Ein ziemlich einfacher und populistischer Satz, allerdings durchaus zutreffend. Medien manipulieren uns in unserer täglichen Meinungsbildung. Kein Journalist, Reporter oder Redakteur kann sich gänzlich davon frei machen, in irgendeiner Art und Weise subjektiv zu berichten. Irgendwo findet sich immer eine Nuance Subjektivität und letztlich macht es ja auch das erst für einen Leser interessant.

Schwierig wird es allerdings, wenn andere Interessen die Inhalte eines journalistischen Werkes mitbestimmen. Hierzu zählen wohl vor allem, dem Wunsch nach Selbsterhalt geschuldet, wirtschaftliche Interessen. Zeitungen müssen sich selbst finanzieren, ganz klar! Die Währung, gerade im Bereich des Online-Journalismus: Aufmerksamkeit! Aufmerksamkeit bedeutet höhere Wertigkeit des Werberaums, bedeutet höhere Einnahmen. Dementsprechend muss sich da der über Jahre hinweg recherchierter Artikel über die innenpolitischen Aktivitäten im Kreml, gegenüber dem aufmerksamkeitsheischenden Bericht des letzten DSDS-Finales behaupten. Klar, man kann Zweiteres auch einfach überlesen, aber die Frage, die man sich stellen kann, ist: Wie viel mehr Wert wäre mir ein Online-Magazin, dass bei der Erstellung der Inhalte nicht dem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt ist?!

Krautreporter – Crowdfunding X Journalismus

Die Antwort auf diese Frage könnte Krautreporter liefern. Unter dem Namen „Krautreporter“ fassen sich 25 Reporter aus den verschiedensten Sparten zusammen, die das Ziel haben, Werbefreien Online-Journalismus zu ermöglichen. Wie genau sich die Damen und Herren das vorgestellt haben, erzählen sie in einem Promo–Video:

Nur noch 5 Tage, bis zum 13. Juni, 23.59 Uhr hat das Format Zeit sich zu beweisen und die geforderten 15.000 unterstützer zu akquirieren. Gerade sind es noch gerade mal die Hälfte. Es wird also definitiv ein knappes Rennen!

2 Gründe, warum man Krautreporter unterstützen sollte

Den ersten der beiden Gründe, habe ich ja schon eingangs umrissen. Als Leser einer (Online-)Zeitung, kann man nicht wissen, welche Interessen alle in die Erstellung eines Artikels geflossen sind. Bitte nicht falsch verstehen: Ich unterstelle hier keinem Medium intrigant ein Volk manipulieren zu wollen! Ich stelle lediglich fest, dass mehr in einem Artikel steckt als nur der Wunsch nach investigativem Journalismus. Tilo Jung bringt dies im Video etwas zugespitzt auf den Punkt: „Am Ende wird eine Zeitung gemacht, dafür dass der Anzeigenkunde happy ist und nicht der Leser!“. Krautreporter geht genau dieses Problem an und versucht es über Crowdfunding zu lösen. Ausschließlich dem Leser gegenüber Verantwortlich sein. Dafür steht die Idee hinter Krautreporter. Ein stark idealistisch getriebenes Vorhaben, das ich allerdings für sehr unterstützenswert halte!

Der zweite Grund geht ein wenig weg von Krautreporter an sich, und mehr hin zu dem Idealismus, der verkörpert wird. Ich glaube jetzt nicht, dass, falls das Krautreporter-Projekt gelingen sollte, der Online–Journalismus von Grund auf revolutioniert wird. Viele werden wahrscheinlich auch langfristig nicht einsehen, Geld für vermeintlich frei zugängliche Informationen zu bezahlen. Nichtsdestotrotz sehe ich in Krautreporter eine Möglichkeit für interessierte Leser einen Impuls zu setzen. Zwar haben die Krautreporter bereits eine Themenvorschau veröffentlicht, allerdings wird das Ergebnis erstmal beweisen müssen, dass es das vollmundig versprochene Niveau halten kann. Aber auch, falls das nicht der Fall sein sollte, würde mit einem geglückten Crowdsourcing-Projekt ein deutliches Zeichen gesetzt werden, dass eine nicht zu unterschätzende Masse an Menschen bereit ist, Geld für investigativen Journalismus zu bezahlen. Ob diese Information von den großen Verlagshäusern für neue Journalismusformate o.Ä. genutzt wird, kann man dann ja mal abwarten.

Bei all den Überlegungen sollte auch eins nicht außer Acht gelassen werden: Es geht hier um 5€ im Monat! 60€ im Jahr! Diese werden auch nur fällig, falls das Projekt gelingt. Überschlagt kurz mal, was ihr schon alles in diesem Monat für quatsch mit 5€ angestellt habt und überlegt dann, ob euch es diese Summe nicht für ein solches Format wert wäre. Mein Antwort ganz klar: JA!

Es geht hier um einen großen idealistischen Gedanken, der mit 5€ / Monat unterstützt werden kann. Also nicht tot diskutieren, sondern einfach mal machen!

1 comment

  1. “Am Ende wird eine Zeitung gemacht, dafür dass der Anzeigenkunde happy ist und nicht der Leser!”. Traurige aber wahre Worte.

    Grundsätzlich habe ich kein Problem mit Werbung. Jedoch habe ich immer mehr das Gefühl, dass die Bezahlung starken Einfluss auf den Inhalt nimmt. Liegt evtl. daran dass man eigentlich nur positives in einem gesponserten Artikel findet.

    Somit bin ich nicht nur aus diesem Grund, begeistert und sehr angetan von dieser Idee.

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