15:40. In 8 Minuten geht mein Zug …

Das wird eng! Es ist 15:40. In 8 Minuten geht mein Zug, der Bahnhof ist noch einige 100 Meter entfernt und ich habe weder Zugticket, noch eine Ahnung wo das verdammte Ding abfährt. Ich stürme durch den Haupteingang des Bahnhofs und halte nach einem freien Bahnautomaten Ausschau. Keine Chance! Es ist ein sonniger Freitagnachmittag und der gestrige Regenschauer hat die Temperaturen angenehm herunter gekühlt. Das perfekte Wetter um mal die BuGa zu besuchen. Aber nein, anscheinend ist der gemeine Koblenzer dazu heute nicht in der Stimmung und will lieber die Klimaanlage der Deutschen Bahn AG genießen.

Genug geärgert! Wie komme ich an eine Fahrkarte?! Vor den nächsten Automaten haben sich schon lange Schlangen gebildet. Am anderen Ende der Halle ist weniger los. Als ich näher komme bemerke ich, dass vor jedem Automat mindestens ein Rentnerpärchen steht, also keine Chance! (Für die Gutmenschen: ja, ich habe daran gedacht zu helfen, aber die Bahn honoriert Hilfsbereitschaft nicht mit wartenden Zügen!!!) Weitersuchen! Im Vorraum des Service-Centers stehen noch ein paar. Ich haste wieder durch die Bahnhofshalle und sehe schon durch die Glastüren kleine Warteschlangen. Glück gehabt! Ich stelle mich an und merke durch die Diskussion der beiden Herren vor mir, dass sie es ebenfalls eilig haben, also gute Chancen, dass sie sich beeilen. Sie kommen und an die Reihe und klicken sich durch das Bahnprogramm.

Vor der Software der Deutschen Bahn trennt sich die Spreu von Weizen der Bahnfahrer. Profis müssen nicht mal mehr gucken was auf dem Bildschirm steht und halten ihren Finger schon bevor die Seite geladen ist an die Stelle wo gleich der richtige Button erscheinen wird. Anfänger sind meist hoffnungslos verloren!

Nun geht es bei den beiden Herren um das Bezahlen und auf einmal ist scheinbar alles lustig! Statt das Programm einfach souverän durchzuziehen, zu bezahlen, die Fahrkarten ausdrucken zu lassen und zu verschwinden wird sich nun aufs höflichste gestritten wer denn jetzt die Bahnkarten bezahlen darf. Ich muss mir die beiden kurz nach einem Candlelight-Dinner vorstellen, wenn es darum geht wer wen einladen darf, muss mich aber zusammenreißen weil ich JETZT (15:46) meine Karte brauche! Lachend kommen die beiden Herren zu einer Einigung und Herr A fängt an das DB-bezahl-Spielchen zu spielen.

Nicht-Bahnfahren sei dies kurz erklärt: Die DB-Automaten haben einen Algorithmus, der Differenz zwischen momentaner Zeit und Abfahrtszeit des gewünschten Zuges misst. Wird der Zeitraum kleiner, wird die Geldschein-nicht-annehmen Variable exponenziell größer und der Kunde muss seinen Geldschein mehrmals willkürlich drehen und wieder gerade falten, damit der Bahnautomat ihn dann letztlich akzeptiert. Neuere Modelle sind zusätzlich mit einem Röntgenscanner ausgestattet mit denen die Geldbörsen der Kunden durchleuchtet werden um dann die Annahme von größeren Scheinen die der Kunde dabei hat, wegen „mangelndem Wechselgeld“ per se zu verweigern. Es kommt nicht selten vor, dass der Kunde das DB-bezahl-Spielchen verliert.

Aber zum Glück nimmt Herr A das ja so locker. Es wird gespaßt und gelacht und sich etwas amüsiert über die Wandertour am letzten Wochenende unterhalten. Ich stehe zwei Meter dahinter und spüre heißen, weiß-glühenden Hass in mir aufsteigen. Schließlich schaffen es die beiden und geben mir den Weg zum Touchscreen frei (15:47). Ich spule meine Routine herunter, schnappe mir die Karten und renne los. In der Bahnhofshalle kommen mir schon Menschen entgegen, die augenscheinlich aus dem Zug gestiegen sind, den ich jetzt noch versuche zu erwischen. Während ich die Rolltreppe hochstürze höre ich das verfluchte Pfeifen eines Schaffners am Bahnsteig. Das „Bitte Einsteigen“ habe ich wohl irgendwie verpasst. Ich erreiche die oberste Stufe und sehe direkt vor mir eine offene Tür, nehme aber gleichzeitig in meiner peripheren Sicht zwei sich schließende war. Ich hasste los und springe durch die sich schon bewegende Tür. Der Zug fährt los und ich stehe im überfüllten Vorraum des Abteils und ringe nach Luft (sehr peinlich). Und all das für die lächerlich 50 Minuten-Strecke Koblenz-Mainz. In diesem Sinne …

.. just my 2 cents ..

(Bildquelle)

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